Handwerkliche Qualität resultiert aus einem sicheren Umgang mit Anwendungs- und Verarbeitungstechniken. Die Gütegemeinschaft Bleihalbzeug e.V. veranstaltet regelmäßig Praxisschulungen zur fachgerechten Anwendung von Saturnblei an Dächern und Fassaden. Dachdecker und Klempner können eine versierte Verarbeitung des Traditionswerkstoffs erlernen oder vorhandene Kenntnisse auffrischen. Ein Teilnehmerbericht.
Der Teufel steckt wie so oft im Detail. Kann ich hier einen Hafter anbringen? Wie hoch muss ich Saturnblei aufkanten? Welches Werkzeug benötige ich, um Scharen mit einer gleichmäßigen Hohlwulstfalz zu verbinden? Obwohl die eigentliche Verarbeitung von Saturnblei unkompliziert ist, steht und fällt das Ergebnis mit der Beantwortung dieser Fragen. Als Serviceangebot für Dachdecker und Klempner organisiert die Gütegemeinschaft Bleihalbzeug e.V. bundesweit zweitägige Weiterbildungen zur Verarbeitung von Walzblei. Handwerker können ihr Wissen und Können unter kompetenter Anleitung erweitern.
Den Auftakt der Veranstaltungsreihe bildeten im November Praxisschulungen am Berufsbildungszentrum des Deutschen Dachdeckerhandwerks in Mayen und am Ausbildungszentrums St. Andreasberg. Die Termine belegten den hohen Nutzen der Initiative für Gesellen und Meister: Während Einsteiger schnell alle grundlegenden Kenntnisse zum fachgerechten Verlegen von Blei erwerben, können fortgeschrittene Anwender ihre Kenntnisse gezielt um anspruchsvolle Techniken erweitern.
Der erste Schulungstag widmet sich vor allem kleinteiligen Anwendungen. Teilnehmer erlernen die korrekte Anwendung von Saturnblei für Wandverbindungen, An- und Abschlüsse, Bleitreiben und Bleischweißen. Der zweite Tag steht ganz im Zeichen von Blei als Eindeckungsmaterial. Arbeitsplatte mit Falzen und WerkzeugenAn der Werkbank üben Handwerker das Zuschneiden von Scharen,
das Aufkanten, den Einsatz von Haften, die Kehlausbildung und die Ausführung verschiedener Falze. Als Übung wird von jedem Teilnehmer eine rechteckige Arbeitsplatte mit verschiedenen Falztechniken eingedeckt. Zunächst erläutert Jürgen Seifert, Schulungsleiter der Gütegemeinschaft Bleihalbzeug e.V., jeden Arbeitsschritt, bevor Handwerker das Erlernte praktisch umsetzen. Die Betreuung in kleinen Gruppen gewährleistet eine sofortige Erfolgskontrolle.
Der Schwerpunkt des zweiten Tages ist ganz bewusst auf grossflächige Anwendungen von Saturnblei gelegt. „Die meisten Teilnehmer beherrschen kleinteilige Anwendungen relativ gut“, weiß Schulungsleiter Jürgen Seifert aus langjähriger Erfahrung. „Bei großflächigen Anwendungen fehlt Handwerkern bisweilen ein wenig die Übung.“ In der Praxis treten bei Details wie dem fachgerechten Einsatz von Haften oder dem Verbinden von Bleischaren leicht Fehler auf. Schon vergleichsweise kleine Fehler können schwerwiegende Folgen haben: Falsch platzierte Hafter fallen bei der Abnahme zwar nicht auf, können aber schon im ersten Winter zu Rissen oder schweren Verformungen der Dacheindeckung führen. Schulungsteilnehmer wissen zukünftig worauf es ankommt: Während bei Haften auf die richtige Platzierung und den Abstand zum nächsten Hafter geachtet werden muss, ist bei Falzen das jeweils passende Werkzeug auszuwählen.
Die Vermeidung von Verarbeitungsfehlern ist Hauptgrund für eine Teilnahme an den Walzblei-Schulungen. Bestes Beispiel hierfür ist Dachdeckermeister Andreas Zeis aus Herschbach im Westerwald. „Ich arbeite viel mit Blei und möchte durch die Qualität meiner Arbeit die Wettbewerbsfähigkeit steigern“ beschreibt er seine Motivation. Den kleinteiligen Umgang mit Saturnblei beherrscht er durch die tägliche Praxis auf dem Dach aus dem Effeff. Bei großflächigen Anwendungen wie kompletten Eindeckungen aus Saturnblei hingegen wollte er seine Kenntnisse noch verfeinern.
Ganz andere Gründe motivierten den Zimmermannsgesellen Andreas Michel aus Zornsheim bei Mainz zur Teilnahme. Sein Arbeitgeber ist häufig mit dem nachträglichen Einbau von Dachgauben beauftragt. Im zweitägigen Kompaktkurs der Gütegemeinschaft Bleihalbzeug e.V. eignet sich Andreas Michel alle Verarbeitungstechniken für Dachabschlüsse aus Blei an. „An Metallarbeiten hatte ich immer schon Spaß, aber Blei stellt ganz eigene Herausforderungen“, so Michel. Diese Aussage kann Schulungsleiter Jürgen Seifert nur unterstreichen. Auch wenn die eigentliche Verarbeitung sehr einfach ist, rät er jedem Handwerker, sich vor der Anwendung von Blei genauestens über den Werkstoff zu informieren. Gerade beim Aufkanten der Bleche bestehen große Unterschiede zu anderen Baumetallen.
Teilnehmer an den Praxisschulungen der Gütegemeinschaft Bleihalbzeug e.V. profitieren mehrfach: Sie schließen vorhandene Wissenslücken und sichern eine hohe Qualität in der Ausführung. Gleichzeitig erlernen sie eine zeit- und materialschonende Verarbeitung von Walzblei. Darüber hinaus bietet sich mit dem Kontakt zu anderen Handwerkern ein lohnender Erfahrungsaustausch. „Ich kann diesen Kurs jedem Handwerker nur empfehlen“, unterstreicht Dachdeckermeister Andreas Zeis den Wert der Veranstaltung.
Es werden laufend Schulungen in ganz Deutschland angeboten. Weiterführende Informationen und Anmeldeunterlagen erhalten Interessenten unter www.saturnblei.de.
© Gütegemeinschaft Saturnblei e.V. / 16.11.2006
