Die weltbekannte Burg Eltz mit ihren zahlreichen an- und ineinander gebauten Burghäusern wurde über Jahre aufwändig saniert. Auf rund 1.500 Quadratmetern Dachfläche erfolgten viele Detailarbeiten. Die Anforderungen an das handwerkliche Können und an den Werkstoff Walzblei waren hoch.
Burg Eltz wurde in ihrer über 800-jährigen Geschichte nie gewaltsam erobert oder zerstört. Durch das diplomatische Geschick der Burgherren blieb die Ritterburg im Elztal über Jahrhunderte unversehrt. Das Baudenkmal geriet durch andere Faktoren in Gefahr: Nicht immer wurde bei An- und Umbauten die Statik ausreichend berücksichtigt. Zudem setzt die Witterung Dächern und Gemäuer stetig zu. Anfang des Jahrtausends waren die Mängel nicht mehr zu übersehen. Eine umfassende Sanierung wurde unumgänglich.
Nach intensiver Planung starteten die Sanierungsarbeiten in 2009. Es sollten die umfangreichsten seit Anfang des vergangenen Jahrhunderts werden. Neben Arbeiten zur statischen Sicherung stand die Sanierung von Dächern und Fassaden im Mittelpunkt. Eine wichtige Rolle spielte der Werkstoff Walzblei. Das Baumetall kam vor allem an den zahlreichen Nahtstellen auf den Dächern zum Einsatz. Mit Anschlüssen, Einfassungen, Kehlen und Kleinflächen werden sensible Dachbereiche sicher verwahrt.
Die Baugeschichte der Burg Eltz reicht bis ins frühe 12. Jahrhundert zurück. Ab 1268 lebten rund 500 Jahre lang drei Familienzweige als so genannte Ganerbengemeinschaft gleichzeitig auf der Burg. Jeder Familienzweig baute seinen Wohntrakt selbstständig aus. Da Burg Eltz auf einem Felsplateau steht, bestand die einzige Möglichkeit zur Erweiterung in der Aufstockung der Gebäude. So entstand ein Baugefüge mit acht verschiedenen Wohntürmen, die eng an- und ineinander gebaut sind. Heute zählt Burg Eltz zu den besterhaltenen Burgen Deutschlands. Über eine Viertelmillion Touristen besuchen jährlich die Ritterburg. Mit ihrer außergewöhnlichen Silhouette schaffte sie es sogar auf den 500-DM-Schein.
Vor allem bei den Dächern bestand großer Sanierungsbedarf. Die Nägel der Schieferdeckung waren verrostet und die Holzkonstruktionen waren beschädigt. An einigen Stellen drang bereits Feuchtigkeit ins Gebäudeinnere. Der heutige Eigentümer der Burg, Dr. Karl Graf zu Eltz, entschloss sich, im Rahmen der Generalsanierung auch die Dachstühle und Eindeckungen der Häuser Klein und Groß Rodendorf sowie Kempenich zu sanieren. Mit der Dacheindeckung beauftragte der Burggraf das Unternehmen Harald Handwerk aus Hillesheim. Der Dachdecker- und Klempnermeister und sein 20-köpfiges Team haben in der fachkundigen Sanierung von Baudenkmälern langjährige Erfahrungen.
Für den Burgherrn, der die Familie Eltz in der 33. Generation vertritt, war die Sanierung ein wichtiges Anliegen. Er beteiligte sich persönlich an allen Planungen und diskutierte mit den Handwerkern selbst kleinste Details. Ein großes Augenmerk legte der Graf auf die Burggeschichte und die Denkmalpflege. Dies war für die beteiligten Unternehmen Verpflichtung und Ansporn zugleich. Das Ergebnis macht alle Beteiligten stolz.
Bizarre Dachlandschaft
Die Dächer des beliebten Ausflugsziels sind eine Attraktion für sich. „Bei meinen Fahrten mit dem Pendelbus zur Burg bemerkte ich immer wieder erstaunte Touristen", berichtet Harald Handwerk. „Hinter der letzten Kurve der steilen Abfahrt bietet sich ein phänomenaler Blick auf die Dächer des Bauwerks." Die Dachlandschaft bietet ein bizarres Bild: Steildächer, Türme und Doppeltürme stehen auf engstem Raum. Zahlreiche Gauben und Kaminköpfe in unterschiedlicher Größe säumen die Dachflächen.
Die Sanierung der Dächer war für Architekten und Handwerker eine anspruchsvolle Aufgabe. Zunächst wurden im Rahmen der Zimmerarbeiten die Dachstühle saniert und die Schalung erneuert. Anschließend wurden die Hauptdachflächen mit deutschem Schiefer eingedeckt. Das Verlegen in der verwinkelten Dachlandschaft stellte eine besondere Herausforderung dar. Es galt ganz unterschiedliche Flächen mit verschiedenen Dachneigungen einzukleiden. Im Laufe der Planungen vor Ort rückten die zunächst unscheinbaren Verbindungen der einzelnen Dächer und Dacheinbauten in den Fokus. Es handelt sich um unterschiedlich große, steile, konische oder runde Flächen. „An keinem anderen Objekt habe ich so verzwickte Flächen vorgefunden", berichtet Handwerk.
Da der Einsatz von Schiefer aus technischen Gründen nicht möglich war, musste ein anderer Werkstoff gefunden werden, um die Verbindungen fachgerecht herzustellen. Die Wahl fiel auf Walzblei. Der Werkstoff ist mit allen Baumaterialien gut kombinierbar und lässt sich flexibel an unterschiedliche Gegebenheiten anpassen. Anschlüsse und Verwahrungen mit Walzblei gewährleisten einen dauerhaften Schutz vor Witterungseinflüssen. Zudem ergibt das Zusammenspiel von Walzblei und Schiefer ein optisch stimmiges Gesamtbild.
Die Bauverantwortlichen planten die Ausführungen konsequent nach den Verarbeitungsrichtlinien für Walzblei, die von der Gütegemeinschaft Saturnblei gemeinsam mit ZVDH und ZVSHK entwickelt wurden. Nur in zwei Fällen wichen sie leicht vom Regelwerk ab, um für die Anforderungen der Burg Eltz eine optimale Lösung zu finden. Man verzichtete auf unterschiedliche Materialdicken und wählte für Walzblei durchgängig eine Materialstärke von 2,5 Millimeter, um höchste Qualität sicherzustellen. Auch bei den Pflichtüberdeckungen der Bleiflansche wurde ein Kompromiss gewählt. In Abstimmung mit Bauherrn und Denkmalpflege wurden die Überdeckungen an Sichtflächen weniger opulent ausgestaltet. Dazu zählen die Einfassungen von Gauben, kleine Fledermausgauben und die Wandanschlüsse des Fahnensaal-Erkers.
Schon die Gerüststellung war eine logistische Herausforderung. Für die Einrüstung der Ritterburg waren über 120 Tonnen Raum- und Fassadengerüsten erforderlich. Da auf dem Felsplateau nicht genügend Platz war, wurden die Gerüstelemente im Tal gelagert. Ein 75 Meter hoher und 70 Meter ausladender Turmdrehkran hievte zunächst die Gerüstelemente und später alle Baumaterialien zur Dachbaustelle. Allein die vorbereitenden Maßnahmen nahmen rund zweieinhalb Monate in Anspruch.
Jedes Teil ein Original
Für die Ausführung der Walzblei-Arbeiten gab es keine Standardlösungen. „Jede der insgesamt 54 Einzelaufgaben wurde individuell geplant, diskutiert und umgesetzt", betont Dachdecker- und Klempnermeister Handwerk. Es waren etwa Dachflächen von 2,5 bis 8 Quadratmeter Größe und Kehlen mit erheblichen Richtungs- und Neigungsänderungen zu meistern.
Bei allen Ausführungen wurden die thermisch bedingten Längenänderungen der 2,5 Millimeter starken Bleibleche berücksichtigt. In Abhängigkeit von Form, Größe und Neigung des Daches, wurde die jeweilige Verbindungstechnik festgelegt. Am häufigsten kamen Falzverbindungen mit Hohlwulst zu Einsatz, in anderen Fällen wurden Liegefalze mit Zusatzhaften angewandt. Vereinzelt waren direkte Verbindungen erforderlich. Sie wurden unter strenger Beachtung des Brandschutzes im Bleischweißverfahren durchgeführt. Alle Bleioberflächen wurden vor und nach der Montage mit Patinieröl behandelt. Mit der Vorbehandlung sollte sichergestellt werden, dass auch die Überdeckungsbereiche bestrichen werden. So können eine unschöne Schlierenbildungen von vorneherein vermieden werden.
Auch bei den Anschlüssen gab es kein Patentrezept. Bei den Übergängen zu den verschiedenen benachbarten Bauteilen wurde situationsbedingt entschieden, ob diese mit Überhangprofilen und Bleifugen oder mit Klemmflanschverbindungen hergestellt wurden. Letztere Verbindungsart kam überwiegend an den Fachwerkwänden mit Lehmputz Gefachen zum Einsatz. Auf Silikon oder andere pastöse Befestigungsmittel wurde verzichtet.
Bleiwolle ist die ideale Ergänzung zu Walzblei. Das Material passt sich flexibel an Baufugen unterschiedlicher Art und Größe an und bietet nachhaltige Stabilität. Im Vergleich zu Mörtel verfügt Bleiwolle über eine ausgewiesene Plastizität. Damit kommt das Material vor allem als Dichtungsmittel von Bleiblechanschlüssen in Mauerwerksfugen in Betracht. Der Werkstoff bildet eine homogen abdichtende Sperrschicht und isoliert dadurch verlässlich gegen eindringende Feuchtigkeit. Dabei wird das Material durchlaufend verstemmt. Das Ergebnis ist eine dezente und glatte Metallfuge, die auch hohen ästhetischen Ansprüchen gerecht wird.
Besonders knifflig war die Ausführung der vier Verbindungsdächer zwischen Klein und Groß Rodendorf. Alle Wassersammelkästen waren der jeweiligen Bausituation individuell anzupassen. Die konisch verlaufenden Flächen wurden mit „Abzweiger"-Kehlen um einen Kaminkopf so eingeteilt, dass die Einzelschare den thermischen Anforderungen gerecht werden. Die Verbindungen wurden als Querfalze mit Zusatzhaft ausgeführt, die Längsstöße mit Hohlwulstverbindungen. Die Wandanschlüsse wurden zweiteilig mit separatem Überhangprofil gefertigt, um auch hier die Ausdehnung in der Fläche zu separieren. Die Fugen an den aufgehenden Wänden wurden entweder als Bleifugen verstemmt oder mit Anpressleisten ausgeführt.
Durch ihre exponierte Lage sind die Dächer der Burg permanent Wind und Wetter ausgesetzt. Zum Schutz der Schalungsschnittkanten wurden zusätzlich alle Grate und Firste mit Bleikappen versehen, die direkt auf der Vordeckung angebracht wurden. Dadurch soll gewährleistet werden, dass in den kommenden 80 bis 100 Jahren kein Handlungsbedarf an den sanierten Dächern der Burg Eltz besteht.
Die Ausführungen forderten den Handwerkern auch körperlich eine ganze Menge ab. Dachneigungen von teils über 65 Grad erschwerten das Arbeiten und verlangten besondere Vorsicht beim Bewegen und Hantieren auf dem Dach. Zudem war nicht jede Statur für den Einsatz in luftiger Höhe geeignet. „Teilweise gelang es nur schlanken Dachdeckern, in die engen Dachverschneidungen und den Stangenwald der Gerüste überhaupt zu gelangen", sagt Handwerk. Über die Gesamtbauzeit von fast zwölf Monaten wurden rund 4,5 Tonnen Walzblei und 750 Kilogramm Bleiwolle eingesetzt. Mit der vergleichsweise geringen Materialmenge wurden viele knifflige Anschlusssituationen gemeistert und die Dachlandschaft sicher verwahrt.
Die Sanierungsarbeiten rüsten Burg Eltz für die kommenden Jahrhunderte. Viele handwerkliche Ausführungen sind für Besucher kaum sichtbar. Auf dem Weg zur Ritterburg rücken die Dächer zumindest für einen Moment in den Mittelpunkt. Wer seine Aufmerksamkeit auf die Details richtet, kann erahnen, welche Handwerksarbeit auf den Dächern der Burg geleistet wurde.
Bautafel:
Projekt: Sanierung der Dächer der Burg Eltz unter Einsatz von Walzblei
Bauherr: Dr. Karl Graf zu Eltz und Sophie Gräfin zu Eltz
Architekt: Heinrich + Steinhardt GmbH, Bendorf
Material: RAL-geschütztes Saturnblei in 2,5 Millimeter Stärke, Bleiwolle, Patinieröl
Verarbeiter: Harald Handwerk GmbH, Hillesheim
Hersteller: Gütegemeinschaft Saturnblei e.V., D-47747 Krefeld, https://www.saturnblei.de
Bildquelle: Saturnblei (Gesamtansicht der Burg), Harald Handwerk GmbH (alle weiteren Bilder)
© Gütegemeinschaft Saturnblei e.V. / 25.04.2013
